Presseartikel über den Surf & Segelclub Jockgrim
Amtsblatt Jockgrim Nr. 24/2010

Rheinpfalz / Marktplatz Regional 05.05.2010
Im Winter geht"s mit Omas Suppenkellen auf Eis
Verein im Portrait: Der Surf- und Segelclub Jockgrim wird 30 Jahre alt - Ehrenpreis für vorbildliche Jugendarbeit
Von Maria Schwering
Vor 30 Jahren dachte man beim Stichwort „surfen" nicht automatisch ans Internet. Doch wer heut dort surft, stößt unter der richtigen Adresse auch auf den Surf- und Segelclub Jockgrim, der in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiern kann - auch wenn er erst 1981 offiziell ins Vereinsregister eingetragen wurde. Harald Braun, Ehrenmitglied des Vereins, blickt beim Gespräch mit Marktplatz regional an einem nach Ansicht der Besucherin doch recht windigen Frühlingsmorgen leicht geringschätzig über die sanft gekräuselte Wasseroberfläche. Für einen echten Surfer wehe gerade mal eine sanfte Brise, meint er, es bedürfe schon kräftigerer Luftbewegung, um als Surfer ordentlich in Fahrt zu kommen. Solche Winde im Verein mit größeren Wellen lassen sich die Clubmitglieder gerne einmal bei gemeinsamen Urlaubsreisen an Meeresküsten um die Nase wehen, wie im letzten Jahr zum Beispiel in Ägypten. Wer denkt, Surfen sei ein Sport nur für Sommertage, der irrt. Vergnügt erinnert sich Harald Braun an das früher regelmäßig stattfindende „Nikolaus-Surfen", bei dem die Teilnehmer warm verpackt in ihren Neopren-Trockenanzügen bei Sonnenschein auch ganz schön ins Schwitzen kamen oder ans „Eissurfen", sozusagen Schlittschuhlaufen auf Surfbrettern. Dafür wird an den sommerlichen Sportgeräten eine Art Gleitschiene angebracht. Gute Karten hatte dabei ein Mitarbeiter einer Druckerei, der die Messer großer Papierschneidegeräte als Kufen unter seinem Brett installierte. Im Notfall, so Braun, könne man es auch mit Omas alten Suppenkellen versuchen, die, unter das Brett montiert, ebenfalls gute Dienste leisten. Nur sei es für ein solches Wintersportvergnügen schon lange nicht mehr kalt genug gewesen. Auch in diesem Jahr ruhte der See nur still und starr, weigerte sich aber, komplett zuzufrieren.
Die Jugend an ihren Wassersport heranzuführen ist den Mitgliedern des Clubs ein besonderes Anliegen. 1998 bot der Club im Rahmen eines Ferien-Programms erstmals kostenlose Schnupperkurse an. Und die jungen Leute kamen: Schon die „Trockenübungen" auf einem hölzernen Drehgestell auf der vereinseigenen Rasenfläche machten ihnen viel Spaß, konnten sie doch schon dabei erfahren, dass es gar nicht so einfach ist, auf einem schwankenden Untergrund das Gleichgewicht zu behalten. In den Anfangsjahren ging"s mit Leihbrettern aufs Wasser, und obwohl nicht zu befürchten stand, dass es auf dem Baggersee zu Massenkollisionen kommen würde, waren dem Nachwuchs die drei wichtigsten Regeln für das Verhalten bei Überholversuchen auf der Wasseroberfläche beigebracht worden: Lee vor Luv, steuerbord vor backbord, der Überholer darf nicht behindert werden. Für Zweifelsfälle gilt die einfache Faustregel: Wer die rechte Hand am Mast hat, hat Vorfahrt! Für die Anschaffung einer Erstausstattung für Surfer muss man schon tief in die Tasche greifen: Rund 1000 Euro kostet ein Brett, etwa 500 Euro das Segel und noch einmal 500 Euro kommen für Zubehör wie Trapez - (Gurtverbindung zum Mast, die bei langen Touren Kraft sparen hilft) - Mast, Neopren-Anzug und Kleinteile dazu.
Weil sich nicht jeder solch hohe Investitionen in ein Hobby leisten kann, ergriff der Vorstand vor einigen Jahren die Initiative und richtete 2008 das Projekt „Elternfreies Surfen" ein. Das bedeute nicht, dass hier junge Leute unbeaufsichtigt herumtollen dürften, erklärt Braun. Vielmehr werden die Eltern minderjähriger Surfer von der Transportpflicht für ihre Sprösslinge befreit, da der Verein ihnen vor Ort die Ausrüstung kostenlos zur Verfügung stellt. Zuvor müssen die Eltern schriftlich erklären, dass Tochter oder Sohn perfekt schwimmen können und sie damit einverstanden sind, dass sie sich ohne Aufsicht der Erziehungsberechtigten auf dem Wasser tummeln dürfen.
„Wir wollen eben gerade etwas für junge Leute tun, die in unserem Club herzlich willkommen sind", sagt Wolfgang Reich, der zweite Vorsitzende des Vereins - der übrigens selbst noch nie auf einem Surfbrett gestanden hat, sondern lieber seiner Frau dabei zusieht - und ist stolz darauf, dass sein Verein für dieses Projekt vor zwei Jahren mit dem Ehrenpreis der VR-Bank für vorbildliche Jugendarbeit ausgezeichnet wurde. Wer etwa zwei Jahre lang fleißig Theorie und Praxis gelernt hat, kann den Surfer-Führerschein machen. Dafür komme ein offizieller „Instructor" aus dem Verband an den Baggersee und nehme die Prüfungen ab, so die beiden Vereinsvertreter. Die Anfänge des Clubs reichen drei Jahrzehnte zurück. 15 sportliche Herren fanden sich im Gründungsjahr 1980 zusammen, die eine feuchte Unterlage für ihrenLieblingssport suchten. Sie wurden fündig am idyllisch gelegenen Baggersee in Jockgrim, wo ihnen die Gemeinde ein großzügig bemessenes Areal zugewiesen und verpachtet hatte. Danach ließen sich die Gründungsmitglieder des Vereins aber nicht nur von den oft nur recht sanften Winden über das Jockgrimer Gewässer treiben, sie gingen vor allem tatkräftig daran, das Gelände ihres Clubs anzulegen. Ein Parkplatz wurde geschaffen und eine Rasenfläche eingesät. Später kam eine gemütliche Sitzecke und vor sechs Jahren ein geschickt in die Landschaft integrierter Container dazu, in dem Arbeitsgeräte und Material gelagert werden können. Schon 1982 fand die erste Vereinsregatta statt; sie machte den Teilnehmern so viel Spaß, dass man beschloss, sie jährlich zu wiederholen. Vereinsmitglieder streckten ihre Fühler nach anderen Wassersportvereinen in der Region aus, und 1989 startet die erste freundschaftliche Südpfalz-Regatta, die seither die beteiligten Vereine im Wechsel ausrichten.
Termin: Sonntag, 9. Mai: Ansurf-Regatta auf dem Baggersee.
Amtsblatt Jockgrim Nr. 09/2010




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